Gebirgslandkarte

Eine kleine Geschichte vorab ...

Eine kleine Expedition gerät im Hochgebirge in ein Unwetter, wird schließlich unter einer Schneelawine begraben. Den wenigen Überlebenden bleibt kaum mehr als ihr ‚Leib und Leben‘: nur wenig Verpflegungsreste und Gerätschaften. Da sie, kaum an die Oberfläche gelangt, nicht erkennen können, wo sie sind und wie sie sich aus ihrer verzweifelten Lage befreien könnten, halten sie ihr Schicksal schon für besiegelt, einige wollen bereits aufgeben…
Da entdeckt einer der Verzweifelten in seinem Anorak eine kleine Gebirgslandkarte. Anhand dieser Karte versucht die Gruppe sich nun neu zu orientieren, findet des vermutlichen Standort, bestimmt ein erreichbares Rettungsziel und die ungefähre Richtung, rafft sich schließlich zusammen und plant und organisiert den schwierigen Weg zurück in die Zivilisation. Trotz vieler Entbehrungen, mancher Widerstände und überraschender Wendungen gelingt es der Gruppe schließlich nach mehreren Tagen, in eine menschliche Siedlung zu gelangen. Die Rettung ist erreicht…
Kurze Zeit danach entdeckt ein Teilnehmer, dass die besagte Landkarte sich auf eine ganz andere Gebirgsregion bezog - die Rettung beruhte also auf einem Irrtum, konnte eigentlich gar nicht sein, oder??? …

Eine kleine Geschichte, wie sie in Berater- / Trainerkreisen manchmal erzählt wird. Die ursprüngliche Quelle ist (mir) nicht mehr bekannt. Auch nicht, ob sie sich auf eine tatsächliche Begebenheit bezog oder … Dann zumindest ist sie – so meine ich – jedenfalls gut erfunden. Was sie uns sagen soll / kann? (Verzeihung - es ist nur eine mögliche Deutung – eine Lehre bzw. Belehrung „von oben“ soll sie nicht sein.)

Nun, um sich aus einer verzweifelten / schwierigen Lage, wie sie ja auch im Unternehmens-Alltag entstehen kann, zu befreien, braucht man (mensch) gewiss auch gute, passende Hilfsmittel – neudeutsch ‚Interventions-Techniken‘, ‚tools‘ oder Ähnliches.
Entscheidendere Erfolgsfaktoren sind aber womöglich andere:
- die (noch so geringe) Aussicht, sich noch retten zu können, die neue Hoffnung ‚entfacht‘ – vielleicht auch eine (gemeinsame) Vision
- eine (wenn auch womöglich irrige) Orientierung über den Ist-Zustand und ein stark wirkendes Fern-Ziel
- ein koordiniertes planhaftes Vorgehen – auch / gerade bei knappen verfügbaren Mitteln – und die Bereitschaft / Fähigkeit zur flexiblen Reaktion auf Unerwartetes
- eine disziplinierte und konsequente Umsetzung des Vorhabens (auch unter Verzicht auf kurzfristige anderweitige Vorteile einzelner) – die „Performanz“
Oder? … (Ihre Deutung).

Auch die Frage, ob man das nun auf alle Situationen anwenden und somit verallgemeinern kann, kann durchaus offen bleiben. „Es kommt darauf an“, das gilt wohl ganz allgemein.
Und keineswegs soll uns das daran hindern, weiter nach geeigneten Berater-Konzepten und –Werkzeugen (tools) zu suchen, mit denen es einfacher / leichter gelingen kann, ein Vorhaben umzusetzen – z.B. eine passende ‚Landkarte‘ für den Veränderungs- / Innovationsprozess eines Unternehmens. Doch richtig bleibt auch: „eine Landkarte ist nicht das Gebiet“ – deswegen arbeiten wir ja auch bevorzugt mit den ‚Landkarten‘ in unseren Köpfen…