"Ältere Beschäftigte haben ein Problem: Ihre körperlichen und geistigen Einschränkungen werden fast ausschließlich mit ihrem Alter erklärt. Dabei ist der körperliche und geistige Verschleiß im Alter nicht zwangsläufig und schon gar nicht 'natürlich'! Untersuchungen zeigen: Oft ist die mangelnde Gestaltung von Arbeitsplätzen und das lange Verbleiben darauf verantwortlich für die vermeintlichen Altersdefizite " (inqa / baua: Alt und Jung - gemeinsam in die Arbeitswelt von morgen, o. Jg. S. 40).
Dem ist aus unserer Sicht eigentlich nichts hinzuzufügen. Der Gestaltungsauftrag, der sich daraus ergibt, könnte folgendermaßen lauten:


Anforderungen und Fähigkeiten harmonisieren



Die wichtigste Aufgabe ist, bekannte oder absehbare Gefahren und Belastungsfaktoren für alle Mitarbeiter/innen, besonders aber für Ältere, möglichst frühzeitig zu erkennen und weitmöglichst abzubauen. Dies ist auch die Grundlage für eine weiterführende betriebliche Gesundheitsförderung...


Stress- und Risikofaktoren für ältere Mitarbeiter

Belastungsarten zum Beispiel durch:
Körperlich anstrengende Arbeiten Heben und Tragen von Lasten, Zwangshaltungen, einseitig belastende Tätigkeiten, kurzzyklische Tätigkeiten
Belastungen aus der Arbeitsumgebung Hitze, Lärm, schlechte Beleuchtung
Hohe bzw. starre Leistungsvorgaben taktgebundene Arbeit, Zeitdruck
Schicht- und Nachtarbeit Arbeitsrhytmus gegen die "innere Uhr", soziale Beeinträchtigungen
Hohe psychische Belastung Daueraufmerksamkeit, Stress

Besonders schwerwiegende Belastungen in einzelnen Branchen:
- Automobilindustrie (Taktzeiten, Boni für Gruppenarbeit, Schichtsysteme)
- Transport und Verkehr (Heben und Tragen, Flexibilität)
- Alten- und Krankenpflege (Dauerbelastung, Heben, Schicht)
- EDV / IT (Zeitdruck, Verschleiß)
- Bankwesen (schnelles Veralten der Qualifikation)
- Bau- und Handwerk (Gewichte, Balance, Neue Techniken, Zeitdruck)
(Morschhäuser 1999)


Einzelfallbezogene Lösungen (Beispiele):

Ein Reifenbauer leidet unter starken rechtsseitigen Schulterbeschwerden durch einseitige kraftbetonte Armbewegungen bei der Maschinenbedienung - eine Vorrichtung zur pneumatischen Kraftverstärkung schafft mit vergleichsweise geringem Kostenaufwand Erleichterung.
Ein 61-jähriger Geselle einer Schreinerei, der Verschleißerscheinungen durch kraftaufwändige Routinetätigkeiten hatte, wird "nur" noch für Reparaturen, Kunstschnitzereien und komplizierte Einbauten eingesetzt.


Betroffene zu Beteiligten machen!

Gefahren und Schäden zu vermeiden oder zu mindern, die sich aus der alltäglichen Arbeit ergeben, das ist aber nur die eine Seite einer sinnvollen Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsorganisation. Dafür setzt sich die Mitarbeitervertretung im Unternehmen gewiss ohnehin ein. Und diese kann dafür Unterstützungsmöglichkeiten von Dritten nutzen: Beispielsweise das Netzwerk von 'Standesorganisationen' wie Handwerkskammern sowie die zuständigen Krankenkassen oder auch die oftmals unterschätzten Berufsgenossenschaften (Selbsthilfe).

Nach unserer Erfahrung ist für die Motivation und Arbeitsleistung der Mitarbeiter/innen mindestens ebenso wichtig, mit den Betroffenen in ihrer jeweiligen Arbeitseinheit (Abteilung, Stab, Team) zu klären, wie der Arbeitsplatz möglicherweise umgestaltet werden kann beziehungsweise welche weitere Arbeitskarriere (siehe Beispiel oben) für beide Seiten vorteilhaft ist. Auch flexible Arbeitszeiten, Altersteilzeit und andere Regelungen können im Sinne einer work-life-balance dienlich sein. Oftmals entdecken die Mitarbeiter/innen selbst noch weitere, vielleicht ganz unspektakuläre Möglichkeiten, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und und damit die dauerhafte Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Um weiterführende Ideen und Vorschläge zu sammeln, können selbstverständlich auch bestimmte feed-back-Instrumente im Unternehmen genutzt werden…


differenzierte berufliche Entwicklungswege



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